Zum Inhalt springen …

Von Dr. Bernd-Uwe Stucken, Rechtsanwalt und langjähriger Vize-Direktor am Deutsch-Chinesischen Institut für Rechtswissenschaft in Nanjing

Professor Uwe Blaurock
Professor Uwe Blaurock

Am 26. November 2021 wählte die Mitgliederversammlung der DCJV Professor Uwe Blaurock1 einstimmig zu seinem Ehrenpräsidenten – eine gute Wahl, denn ohne seinen beständigen Einsatz über Jahrzehnte gäbe es die Vereinigung in ihrer heutigen Form nicht.

Professor Blaurock gehört zu den 12 Gründungsmitgliedern, die 1986 die DCJV aus der Taufe gehoben haben. Seitdem war er ohne Unterbrechung im Vorstand tätig – 35 Jahre bis zu seiner Wahl zum Ehrenpräsidenten. Insgesamt 19 Jahre als Vizepräsident und 16 Jahre als Präsident hat er Aufbau und Wachstum der Vereinigung geprägt wie kein anderes Mitglied.

In den Zeitraum seines Wirkens fallen zahlreiche Errungenschaften, die er maßgeblich angestoßen und begleitet hat. Verwiesen sei auf die eindrucksvolle Zusammenfassung des Werdegangs der DCJV in der ZChinR 20162 anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens.

Unterzeichnung des Gründungsvertrages für das Institut in Nanjing Mai 1988 (in der Aula in Göttingen)
Unterzeichnung des Gründungsvertrages für das Institut in Nanjing Mai 1988 (in der Aula in Göttingen)

Zu den Errungenschaften zählt unter anderem die „Vereinbarung zum Austausch im Rechtswesen“, die am 25.10.1990 zwischen der Vereinigung und dem Rechtsamt des Staatsrates abgeschlossen wurde. Sie stellt gewissermaßen den Vorläufer des im Jahre 2000 begonnenen Rechtsstaatsdialogs dar, in den die DCJV nach wie vor fest eingebunden ist.

In der Zeit des Wirkens von Professor Blaurock wurden die grundlegenden Programme und Wirkungsbereiche geschaffen, die heute die Vereinigung prägen, die Jahrestagungen, die Herausgabe der „Zeitschrift für Chinesisches Recht (ZChinR)“, die „Schriften zum chinesischen Recht“, die Gründung von Regionalgruppen und die Bildung der Jungen DCJV.

Arbeitssitzung des Übersetzungsausschusses für deutsche Rechtsliteratur in Beijing 2002
Arbeitssitzung des Übersetzungsausschusses für deutsche Rechtsliteratur in Beijing 2002

Viele Erfolge der DCJV sind untrennbar verwoben mit den zahlreichen weiteren China-Aktivitäten von Professor Blaurock. Hervorzuheben ist vor allem die fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Chinesischen Institut für Rechtswissenschaften (vormals Wirtschaftsrecht) in Nanjing. Dessen Gründungdirektor war Professor Blaurock. Ohne die redaktionelle Betreuung des Instituts etwa wäre die Herausgabe der ZChinR nicht möglich.

Gleichermaßen bedeutsam ist die Verbindung mit dem Deutsch-Chinesischen Institut für Rechtswissenschaften in Beijing an der China Universität für Politik und Recht. Deren deutscher Kooperationspartner ist ein Netzwerk von mittlerweile sieben Universitäten, das von Freiburg aus betreut wird, an dessen Albert-Ludwigs-Universität Freiburg nicht ohne Zufall Professor Blaurock zuletzt lehrte und deren Emeritus er heute ist.

Gesamtbild des Übersetzungsausschusses für deutsche Rechtsliteratur in Beijing 2013
Gesamtbild des Übersetzungsausschusses für deutsche Rechtsliteratur in Beijing 2013

Die Zusammenarbeit mit China durchläuft immer wieder schwierige Phasen, da eine marxistische-leninistische Sicht der Welt naturgemäß schwer in Einklang zu bringen ist mit der westlichen liberalen Weltanschauung. Gerade in solchen Phasen hat Professor Blaurock sich beständig und geduldig um den Aufbau und Ausbau des wissenschaftlichen Dialogs bemüht, freundlich und mit dem ihm eigenen Charme, ohne erhobenen Zeigefinger, aber in der Sache auch klar und eindeutig. Bedingung für die Aufnahme des Lehrbetriebs am Deutsch-Chinesischen Institut für Wirtschaftsrecht in Nanjing etwa war die Forderung der Zusicherung akademischer Freiheit durch die Entscheidungsträger in China. Sie wurde zugestanden und weitgehend auch gewährt.

Die Wahl zum Ehrenpräsidenten erfolgte in Anerkennung der Leistungen für die DCJV. Sie ist sicherlich verbunden mit dem Wunsch, dass Professor Blaurock auch künftig die Arbeit mitprägt, wenngleich nun Führung und Management der Vereinigung in die verantwortungsvollen Hände der Nachfolger übertragen wurden. Vielleicht dürfen wir hier aber ein wenig an die gute chinesische Tradition erinnern, dass ehemalige Amtsträger deutliches Gehör bei den Aktiven finden, die sich den gegenwärtigen Herausforderungen stellen müssen.


  1. Zur Vita siehe z. B.: https://de.wikipedia.org/wiki/Uwe_Blaurock.
  2. Uwe Blaurock, Rückblick auf 30 Jahre DCJV, ZChinR 2016, S. 307 ff.